Tags

,

GRATIS ESSEN FÜR ALLE – SOZIALKÜCHE „DER ANDERE MENSCH“ (Ins Leben gerufen von einem Arbeitslosen in Athen, der jeden Tag von Stadtteil zu Stadtteil zieht und mit Hilfe von Freiwilligen und einfachen Passanten einen Kochtopf aufstellt um Bedürftigen eine warme Mahlzeit anzubieten.)

Übersetzt von Plutonia [mit eigenen Anmerkungen] aus dem Originaltext von Agissílaos Veroutis.

Die Überbesteuerung einer Volksgruppe passt weder in statistische Durchschnitte, noch müssen unbedingt alle Bürger eines Staates davon betroffen sein.

In einem solchen Fall der Enteignung handelt es sich meistens um eine Minderheit, die klein genug ist um nur gleichgültiges Schulterzucken beim Rest der Gesellschaft hervorzurufen, und zugleich politisch schwach und unorganisiert ist, so dass mit Hilfe feinster kommunikativer Techniken der Kriminalisierung und der Verhöhnung, die Allgemeinheit gegen diese Minderheit beeinflusst wird und schließlich freudig bei deren Eliminierung mitwirkt.

Ob es sich dabei um die Armenier im Staat der Neutürken handelt, um die Juden im Nazistaat Hitlers, die Bauern im Staat Stalins, die Kleinhändler im Staat Lenins, oder die Kleinunternehmer im heutigen Griechenland, spielt kaum eine Rolle.

Die Freiberufler, Gewerbetreibende und Kleinunternehmer im heutigen Griechenland des finanziellen Kollaps sind ein solches Beispiel.

Zuerst werden sie in den Augen der Allgemeinheit kriminalisiert, mittels gezielter käuflicher Studien über die angebliche Steuerhinterziehung mit unzureichenden oder gar lückenhaften Daten, und dann beginnt das Blutvergießen mit dem Konsens oder auch der aktiven Mithilfe der Gesellschaft.

„Wir alle wissen doch über jemandem Bescheid, der kaum Quittungen ausgibt, also sind alle Kleinunternehmer Steuersünder“, so lautet das Märchen. Eine weitere übliche Lüge lautet: „Wenn wir die Steuerhinterziehung aufdecken, werden wir aus der Krise rauskommen“. Eine systematische Verleumdung und Anschwärzung über zwei bis drei Jahre lang reicht völlig aus, dass die Menschen einem bestimmten Gesellschaftsteil gegenüber abhärten. Dieses methodische Spielchen kennt sogar die hiesige Partei der Lächerlichkeit und des Faschismus nur zu gut.

Durchschnitte, wissen wir alle ebenfalls, lügen immer über die wirklichen Auswirkungen unmenschlicher politischer Entscheidungen auf menschliche Leben. Insbesondere wenn nicht einmal eine unterste Schutzgrenze vor extremer finanzieller Verelendung festgelegt wird.

Wenn hierzulande die extreme Armutsgrenze bei 7.000 Euro jährliches Einkommen für Einzelpersonen und bei 12.000 Euro für eine Familie liegt, das aber für eine bestimmte Kategorie wirtschaftlich aktiver Bürger nicht zutrifft, dann ist eindeutig etwas faul.

Es ist kein Zufall, dass die wichtigste Komponente der Demokratie die Gleichstellung gegenüber dem Gesetz ist, egal ob sich dabei um Gesetze über strafrechtliche Verantwortlichkeiten handelt (man erinnere sich an Artikel 86 der Verfassung und das berühmte Gesetz über die Nicht-Verantwortlichkeit von Ministern, das Herr Evangelos Venizelos erfand und das zwei Drittel des damaligen Parlaments freudig durchwinkten), oder um Gesetze über die finanziellen Belastungen, die der Staat seinen Bürgern auflegt, wie z.B. das Gesetz mit dem kurzerhand der Steuerfreibetrag für Kleinunternehmer und Freiberufler endgültig abgeschafft wurde.

Letzteres geschah zu einer Zeit, wo etwa 85% der Kleinunternehmer und Freiberufler nur Verluste vorzuweisen hat. Im Gegenzug zur völligen Vernichtung des mittelständigen Einkommens antwortete die Regierung prompt mit der willkürlichen Einführung einer flächendeckenden jährlichen Gewerbegebühr i.H.v. 650 Euro, einem Steuersatz von 26% ab dem ersten erwirtschafteten Euro [für ein jährliches Einkommen bis zu 50.000 Euro], plus einen extra Prozentsatz von 55% auf die anfallende Steuer als Vorschusssteuer für das nächste Jahr.

Dazu kam noch die Anordnung der irrealen und fast kriminellen Existenzindizien (Tekmiria) [siehe „ANHANG VON PLUTONIA“ am Ende dieses Eintrags], wonach jeder lebende Bürger [genau, „lebende“; irgendwie noch am Leben sein genügt damit man versteuert werden kann] aufgrund eines fiktiven jährlichen Nettoeinkommens von 3.000 Euro mit einem Steuersatz von 26% versteuert wird, also 780 Euro. [Man kann es nicht stark genug betonen: also mindestens sieben hundert achtzig Euro muss man unbedingt pro Jahr für absolut gar nichts diesem Staat bezahlen können, egal ob man auf der Straße leben muss, und die Obdachlosen in Griechenland sind ein ganz neues und stark zunehmendes Phänomen, oder man wird als Steuersünder weiterbestraft und sogar mit Verhaftung bedroht.]

Mit anderen Worten, jemand der als Freiberufler wegen des Finanzcrashes nun mit keinerlei Einkommen dasteht, wird vom korruptesten Staat [nicht mit „Land“ zu verwechseln] Europas mit 1.859 Euro (780 €, plus 55% darauf als Vorschusssteuer, also 429 €, plus 650€ Gewerbegebühr) versteuert, nur weil er noch atmen kann und sich in Griechenland befindet. [Obergenannte „Gewerbegebühr“ wird gerne von den Griechen verachtungsvoll als „Harátsi“ bezeichnet, eine Übernahme in die griechische Sprache des türkischen Begriffs Haraç; so hieß die Kopfsteuer, die einst die Osmanen den nicht-muslimischen Bürgern während der vierhundertjährigen Besetzung des Landes abknöpften, heutzutage ein Synonym für willkürliche, ungerechte und besonders harte steuerliche Belastung.]

Der griechische Staat hat gegenüber dieser Minderheit des griechischen Volkes jede denkbare Grenze der Grausamkeit überschritten, indem er sich zuerst die Zustimmung der Allgemeinheit mit gefälschten Studien sicherte, und dann systematisch mit der Ausrottung jener, die es mit Mühe und Not kaum noch schaffen täglich zu überleben, begann.

Danach stemmt sich die legale Gewalt des staatlichen Vollstreckungsapparats mit voller Wucht gegen diese Minderheit (Bürger werden ausgehungert, malträtiert und zuletzt auch noch inhaftiert), ohne jegliche Achtung menschlicher Rechte und persönlicher Würde, Taktiken die an dunkle Epochen des letzten Jahrhunderts erinnern, an die gewollte Verelendung ganzer Völkergruppen durch kriminelle politische Figuren wie Lenin, Atatürk, Hitler oder Stalin.

Der schlimmste Verelendungsmechanismus gegen diejenigen, die von der Finanzkrise am härtesten betroffen sind, die Freiberufler und Kleinunternehmer, ist bei weitem die Erfindung der gesetzlichen Sozialversicherungspflicht, da bei Nichtbezahlung der eigenen Sozialversicherungsbeiträge, Gefängnisstrafen und die Beschlagnahme von Besitz drohen [unter anderem auch Zwangsversteigerung des Eigenheims, sowie Pfändung von Ersparnissen, Rücklagen und Löhnen].

Vom gleichen Kleinunternehmer also, der zu den 85% mit Verlusten gehört, beziehungsweise mit einem Null-Einkommen dasteht, verlangt der Staat zusätzlich 3.000 bis 7.000 Euro jährlich an Beiträgen, bei deren Nichtabführung gesetzliche Strafen vorgesehen werden, die aus der Zeit der Militärjunta stammen. [Die Beiträge werden aufgrund der jeweiligen Versicherungskategorie berechnet. Eine Differenzierung nach monatlichem Gewinn oder zumindest Umsatz, existiert nicht. Jeder Selbständige zahlt den gleichen Monatsbeitrag, der Reeder den gleichen Betrag wie der Kiosk- oder Café-Besitzer, das Unternehmen Lidl oder Ikea den gleichen Betrag wie die Friseurin, die von Haus zu Haus geht, oder der Übersetzer, der von zuhause aus als externer Mitarbeiter/Freelancer für Verlagshäuser Bücher übersetzt. 😦 ]

Der gleiche Staat, der verurteilten Terroristen Hafturlaub gewährt, verbietet einer Frau, die wegen unbezahlter Sozialversicherungsbeiträge in Untersuchungshaft sitzt, bei der Bestattung ihrer Mutter teilzunehmen, und stellt Straßenblockaden auf, nicht um etwa die Terroristen zu schnappen, sondern um die angeblichen Schuldner, die er sich selbst in selbstherrlicher Manier durch „Harátsia“ und „Einkommensindizien“ erschuf, zu terrorisieren.

Zum gleichen Zeitpunkt, wo die staatliche Bestie den Mittelstand ausweidet, verspricht der Minister für Administrative Reform 10.000 Neueinstellungen bei staatlichen Ämtern, die schon immer von den privilegierten Staatsdienern als ihre persönlichen Pfründe betrachtet wurden.

Konfrontiert mit dem kriminellen Vorgehen des Staates gegenüber dem Mittelstand, reagiert die Gesellschaft mit einem gewissen Erstaunen, das sie aber leider nicht daran hindert, weiterhin Parteien etatistischer Befürworter der staatlichen Bestie zu wählen, egal ob sie sich linke Etatisten von SYRIZA nennen, oder Nationalsozialisten der Goldenen Morgenröte.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es irgendwann mal Gerichtsverfahren gegen diejenigen geben, die für die heutige Hexenverfolgung des griechischen Mittelstands verantwortlich sind.

Nur ist keinesfalls sicher, ob sie mit Inhaftierung in einem Regime des linken Etatismus und der Umverteilung, oder mit dem Galgen in einem Regime des fremdenfeindlichen, nationalistischen Etatismus und des Isolationismus, bestraft werden.

Die Alternative, dass gesunde Kräfte der Gesellschaft sich hervorheben werden, schwindet mit jedem Tag, an dem der Mittelstand weiterhin zerstört wird, immer mehr.

Sollte ich versuchen ein besseres Beispiel für jemandem der am eigenen Ast sägt zu finden, als unsere heutigen Abgeordneten, wäre es mir unmöglich, also werde ich den Versuch erst gar nicht unternehmen.

Bon courage an Alle…

ANHANG VON PLUTONIA

Mit dem neuen Steuergesetz werden in Griechenland wieder auf breiter Basis die aus alten Zeiten bekannten und berüchtigten „Tekmiria“ (τεκμήρια, d.h. Indizien für ein –gegebenenfalls zu versteuerndes– Einkommen) eingeführt. Diese unter anderem aus Besitzstand und Lebensführung abgeleiteten vermuteten Einkommen addieren sich schnell zu einem völlig irrealen fiktiven Gesamteinkommen, für welches der Steuerpflichtige nicht nur Einkommenssteuern entrichten muss, sondern unter Umständen obendrein auch noch steuer- und strafrechtlich belangt wird. Insbesondere der Besitz eines privaten Autos galt in Griechenland aus steuerrechtlicher Sicht schon immer als Indiz für Reichtum.

Also gemäß dieser „Tekmiria“, allein schon die Existenz einer Person wird mit einem jährlichen Nettoeinkommen von 3.000 Euro gleichgestellt. Dazu addiert sich unter anderem der –ebenfalls fiktiv veranschlagte– finanzielle Aufwand für die Unterhaltung einer Wohnung, der je nach Größe und Lage der Wohnung mit mindestens 40 bis zu fast 400 Euro pro Quadratmeter jährlich berechnet wird.

Im Falle also eines Selbstständigen, der wegen der katastrophalen finanziellen Lage des Landes eine Steuererklärung mit Null-Einkommen einreicht und sich ausschließlich mit Hilfe von Familie und Freunden, oder früheren Ersparnissen noch über Wasser hält (in der vagen Hoffnung dass sich vielleicht etwas ändert bevor es zu spät ist), und der eine Hauptwohnung (Eigentumswohnung oder gemietet) von 50 qm und ein Auto mit einem Hubraum von 1.000 cm³ unterhält, wird eine Einkommensteuer i.H.v. 4.277 Euro entfallen, weil er auf Basis der neuen erhöhten „Einkommensindizien“ mit Mindestlebenshaltungskosten von 3.000 Euro, einem fiktiven Einkommen von 2.000 Euro für die Wohnung und weiteren 4.000 Euro für das Auto veranlagt werden wird, also insgesamt 9.000 Euro (also 4.277 = 9.000 × 26%, plus 55% darauf als Vorschusssteuer für das nächste Jahr, plus 650 Euro Gewerbegebühr). Paradoxerweise betrifft diese Besteuerung sogar auch Arbeitslose und sonstige Hungerleider, die ebenfalls zur Einkommensteuer veranlagt und als „Selbstständige“ besteuert werden, da ihre „Einkommen“ nicht aus einer Tätigkeit als Angestellte oder einer Rente herrühren! Wobei vermerkt werden muss, dass Selbstständige die ihren Beruf aufgeben mussten und nun arbeitslos sind, keinerlei Anspruch auf das mickrige Arbeitslosengeld i.H.v. 360 im Monat haben, das nur früheren Angestellten für 12 Monate lang ausgezahlt wird, bevor auch diese dann als Langzeitarbeitslose eingestuft werden und jeden weiteren Anspruch verlieren.

Man sollte aber nicht glauben, dass Angestellte oder gar auch Rentner von diesem Steuerwahn verschont bleiben. Nein; auch sie werden aufgrund der gleichen „Einkommensindizien“ versteuert, sofern ihr reales Einkommen unter dem „sachlich“ berechneten fiktiven Einkommen liegt, mit dem Unterschied dass sie einem niedrigeren Steuersatz unterliegen und für sie noch ein bestimmter Steuerfreibetrag besteht, der aber nur dann gewährt wird, wenn Zahlungsbelege (Quittungen) über Konsumausgaben (!) i.H.v. 25% des (realen oder fiktiven) Gesamteinkommens beigelegt werden. Zahlungen für Miete, Strom, Wasser, Telefon usw. können in diesem Rahmen nicht geltend gemacht werden!

Advertisements